Gut zu wissen
- Obwohl die Begriffe oft nebeneinander fallen, unterscheiden sich Speck und Schinken in Anschnitt, Verarbeitung, Räucherung und Reifezeit.
- Schinken reift in der Regel länger und entwickelt dadurch eine tiefere, komplexe Aromatik.
- Zwiebel und Knoblauch in Butter andünsten, Schinken kurz mitbraten, Sahne dazugeben und etwas einkochen.
Tiroler Rezepte mit Südtiroler Schinken: Inspirationen für Anfänger und Profis
Tiroler Küche trifft Südtiroler Schinken: Dieser Artikel bietet praxisnahe Rezepte, Technik-Tipps und Einkaufs‑ und Lagerempfehlungen. Ob einfache Brettljause für Einsteiger oder verfeinerte Schlutzkrapfen für Profis — hier finden Kochbegeisterte auf allen Niveaus Anregungen und konkrete Anleitungen. ⏱️ 6-min read
Unterschiede: Tiroler Speck, Tiroler Schinken und Südtiroler Schinken
Obwohl die Begriffe oft nebeneinander fallen, unterscheiden sich Speck und Schinken in Anschnitt, Verarbeitung, Räucherung und Reifezeit. Kurz zusammengefasst:
- Fleischstück: Speck wird meist aus Bauchspeck oder weniger mageren Partien hergestellt; Schinken aus der Keule.
- Räuchern: Tiroler Speck ist traditionell stärker geräuchert und leicht gewürzt; Schinken (auch Südtiroler Schinken) wird oft schonend luftgetrocknet und nur leicht geräuchert oder gar nicht.
- Reifezeit: Schinken reift in der Regel länger und entwickelt dadurch eine tiefere, komplexe Aromatik; Speck reift kürzer und bleibt würziger.
Achte beim Einkauf auf Herkunftsangaben, die Qualität des Erzeugers (Metzgerei, Hofschlachter, regionale Spezialitätenmanufaktur) und die Verpackung (Vakuum vs. frisch geschnitten). Frischer, gleichmäßig marmorierter Anschnitt und ein angenehmer, nicht saurer Geruch sind gute Qualitätszeichen.
Einsteiger-Rezepte: Einfach, schnell und typisch Tiroler
Für den Einstieg genügen wenige Zutaten und einfache Techniken. Der Fokus liegt auf guten Produkten — besonders auf einem aromatischen Südtiroler Schinken.
Brettljause für 4 Personen
Die klassische Brettljause ist ein perfekt unkompliziertes Gericht, das den Schinken in Szene setzt.
- Zutaten:
- 200–250 g dünn geschnittener Südtiroler Schinken
- 150 g Tiroler Speck (in Scheiben)
- 200 g gemischter Bergkäse (in Stücken)
- 1 Laib Bauernbrot oder dunkles Landbrot
- Gewürzgurken, Silberzwiebeln, Radieschen, Butter
- Anrichten: Brot in Scheiben, Schinken und Speck locker auf dem Brett drapieren, Käse danebenlegen. Kleingemüse und Butter in Schälchen dazu.
- Serviervorschlag: Mit einem kräftigen Bauernbrot und einem Glas Weißwein oder Märzenbier.
Schnelle Schinken‑Pasta (für 2 Personen)
- Zutaten:
- 200 g Pasta (z. B. Tagliatelle)
- 100 g dünn geschnittener Südtiroler Schinken, in Streifen
- 1 kleine Zwiebel, 1 Knoblauchzehe
- 150 ml Sahne oder Crème fraîche, etwas Butter
- Frisch gemahlener Pfeffer, Petersilie
- Zubereitung: Pasta al dente kochen. Zwiebel und Knoblauch in Butter andünsten, Schinken kurz mitbraten, Sahne dazugeben und etwas einkochen. Mit Pasta mischen und sofort servieren.
Für Fortgeschrittene: Würzen, Räuchern und professionelle Begleitung
Wenn du tiefer in die Verarbeitung einsteigen willst, sind richtige Würzung, Räuchern und gezielter Einsatz des Schinkens als Begleiter zentral. Hier einige praxisnahe Hinweise mit Fokus auf Timing, Temperatur und Präsentation.
Würzen und Marinieren
- Gewürze: Wacholderbeeren, Pfefferkörner, Lorbeer, Knoblauch und etwas brauner Zucker passen hervorragend. Für südliche Noten: Fenchelsamen oder Orangenzeste sparsam einsetzen.
- Menge: Für Trockenpökelungen orientiere dich an ca. 2–3 % Salz bezogen auf das Fleischgewicht (bei Heimrezepten lieber getestete Klassiker verwenden).
- Zeit: Kurzzeitmarinaden einige Stunden; bei Trockenpökelung mehrere Tage bis Wochen je nach Dicke.
Räuchern – Grundregeln
- Temperatur: Kalträuchern bei unter 30–40 °C (klassisch für Speck/Schinken), Heißräuchern bei höheren Temperaturen für andere Produkte.
- Räucherholz: Buche ist klassisch; wacholder- oder kirschholz geben zusätzliche Aromennuancen.
- Dauer: Kurzere Räucherzyklen für feinere Aromen, längere für intensivere Rauchigkeit. Achte aber auf das Austrocknen des Produktes.
- Sicherheit: Bei Eigenversuchen unbedingt auf Hygienestandards achten oder auf geprüfte Rezepte und Kurse zurückgreifen.
Speck und Schinken als Begleiter — Timing & Präsentation
Der richtige Moment entscheidet, wie intensiv der Geschmack zur Geltung kommt.
- Warme Beilagen: Schinken erst am Ende kurz zugeben, damit er Aroma abgibt, aber nicht austrocknet.
- Anrichten: Dünne Scheiben gegen die Faser schneiden, locker legen. Für elegante Teller kleine Rouladen oder Crisps aus hauchdünnem Speck formen.
- Temperatur: Bei kalten Platten Schinken rechtzeitig aus dem Kühlschrank nehmen (15–30 Min.), damit Aromen sich entfalten.
Klassiker und moderne Variationen: Kaspressknödel, Speckknödel, Schlutzkrapfen
Tiroler Klassiker lassen sich mit Südtiroler Schinken modern interpretieren. Hier drei Rezepte mit konkreten Schritten.
Kaspressknödel mit Südtiroler Schinken (4 Portionen)
- Zutaten:
- 300 g altes Bauernbrot, gewürfelt
- 200 g Bergkäse, grob gerieben
- 1 Zwiebel, fein gehackt
- 150 g fein gewürfelter Südtiroler Schinken
- 2 Eier, 200 ml Milch, 2 EL Mehl, Salz/Pfeffer, Muskat
- Zubereitung:
- Zwiebel in Butter glasig dünsten, Schinken kurz mitbraten.
- Brot, Käse, Zwiebel‑Schinkenmischung, Eier und Milch vermengen, mit Mehl binden. Mit Gewürzen abschmecken.
- Flache Knödel formen und in Butter von beiden Seiten goldbraun braten (je Seite 3–4 Minuten).
- Mit Kräutern bestreuen und beispielsweise zu Rindsuppe, Salat oder als Hauptgericht servieren.
Speckknödel (4 Portionen)
- Zutaten:
- 250 g altbackenes Weißbrot
- 150 g Tiroler Speck, gewürfelt
- 1 Zwiebel, Petersilie, 2 Eier, 150 ml Milch, Salz, Pfeffer
- Zubereitung:
- Zwiebel und Speck auslassen, Petersilie zufügen.
- Brotwürfel mit Milch begießen, Mischung aus Zwiebel‑Speck und Eiern untermengen. Abschmecken.
- Knödel formen und 10–12 Minuten in siedendem Wasser gar ziehen lassen.
- Als Beilage zu Brühe oder geschmälzten Zwiebeln servieren.
Schlutzkrapfen mit Südtiroler Schinken (für 4 Personen)
- Teig: 300 g Mehl, 3 Eier, 1 EL Öl, Prise Salz → zu glattem Teig verarbeiten, 30 Min. ruhen lassen.
- Füllung: 300 g Spinat (frisch oder aufgetaut), 200 g Ricotta oder Topfen, 80 g fein gewürfelter Südtiroler Schinken, Salz, Pfeffer, Muskat.
- Formen: Dünn ausrollen, Kreise ausstechen, jeweils 1 TL Füllung draufsetzen, zusammenklappen und Ränder gut andrücken.
- Kochen: In siedendem Salzwasser 3–4 Minuten ziehen lassen. Anschließend mit zerlassener Butter, Salbeiblättern und geriebenem Käse servieren.
Einkaufstipps: Worauf achten bei Tiroler Speck und Südtiroler Schinken
Beim Einkauf entscheidet oft der Erzeuger über Geschmack und Qualität. Einige Hinweise, die dir helfen, gute Ware zu finden:
- Kaufe nach Möglichkeit beim Metzger vor Ort oder in Feinkostgeschäften, die Schinken frisch schneiden.
- Achte auf eine gleichmäßige Marmorierung und festen, aber nicht gummiartigen Anschnitt.
- Verpackung: Vakuumverpackt hält länger, frisch geschnittene Scheiben vom Tresen bieten oft besseren Duft und Textur.
- Bezeichnungen: Begriffe wie „luftgetrocknet“, „traditionell gereift“ oder konkrete Herkunftsangaben (Region, Hof) sind nützlich. Informiere dich bei Unsicherheit direkt beim Erzeuger.
- Für besondere Anlässe: Suche nach handwerklich hergestelltem Schinken oder Bio‑Produkten, wenn dir Transparenz in Aufzucht und Fütterung wichtig ist.
Lagerung, Haltbarkeit und Qualitätskriterien
Richtig gelagert bleibt der Geschmack erhalten und die Haltbarkeit maximiert. Beachte folgende Empfehlungen:
- Kühl und trocken lagern: Ideal sind 4–8 °C im Kühlschrank, luftdurchlässig verpackt (Butcher‑Paper) oder vakuumverpackt.
- Geöffnete Packungen: Aufgeschnittene Scheiben sollten innerhalb von 3–5 Tagen verzehrt werden, wenn sie im Kühlschrank gelagert werden.
- Vakuumverpackte Produkte: Können im Kühlschrank mehrere Wochen halten (Herstellerangaben beachten).
- Ganzer, luftgetrockneter Schinken: Kühl und trocken aufgehängt, oft mehrere Wochen bis Monate haltbar — solange keine Anzeichen von Verderb (starker Geruch, schleimige Oberfläche) vorhanden sind.
- Einfrieren: Aufgeschnittene Ware kann eingefroren werden (bis ca. 3–6 Monate), Qualität leidet allerdings etwas.
- Qualitätskriterien: Gleichmäßige Reifung, kein muffiger Geruch, angenehme Salz‑Rauch‑Balance und saubere Schnittfläche sind Zeichen guter Qualität. Bei Premiumware lohnt sich der Direktkauf vom Erzeuger.
Abschluss und Inspiration
Südtiroler Schinken lässt sich vielseitig in die Tiroler Küche integrieren: von der rustikalen Brettljause über verfeinerte Knödel bis hin zu modernen Schlutzkrapfen-Variationen. Für Einsteiger genügen wenige Zutaten und einfache Techniken; Fortgeschrittene können mit Würzung, Räucherung und Präsentation arbeiten, um eigene Signature‑Gerichte zu entwickeln.
Probier eines der Rezepte, experimentiere mit Kräutern und Holzarten beim Räuchern (bei sicheren Rahmenbedingungen) und suche beim Einkauf nach regionalen Erzeugern — oft liegt der größte Qualitätsunterschied im Ausgangsprodukt.



